Nicht Heimat und doch Heimat: Öhringen

Was kann man tun, um den Ort zu verbessern und für seine Bürger attraktiver zu gestalten?

Ich laufe durch die Stadt, versuche, Öhringen mit den kritischen Augen eines Jugendlichen zu sehen. Öhringen ist interessant, aber leider nur für die älteren Generationen, die ihre Ruhe haben möchten und etwas altmodisch geprägt sind. Öhringen ist nicht am Puls der Zeit. Heilbronn dagegen ist im stetigen Wandel. Die Modernisierung geschieht rasant, viele Gebäude haben einen modernen Stil. Das Gleiche könnte man mit Öhringen nicht machen. Es gibt zu viele alte Gebäude, die zum Erhalt der historischen Kulissen nicht all die modernistischen Biedermeier-Fassaden draufgepinselt haben sollten. Dies ist auch gar nicht nötig, denn Öhringen blüht auf seine eigene besondere Art und Weise. Öhringen wird in den kommenden Jahren zwar noch langsam, aber bald sehr schnell bezüglich der Einwohnerzahl wachsen. Es ist sehr wichtig, die Innenstadt lebendig und einladend zu modernisieren und nicht den Besuchern das Gefühl geben, dass sie nach dem Erreichen des Marktplatzes bereits die komplette Innenstadt durchquert haben.
Man könnte andere Anläufe probieren. Die Innenstadt müsste einladender für jüngere Menschen sein. Man sollte das Gefühl bei den Besuchern wecken, viel sehen zu können, ihnen einen Grund geben, zu bleiben und ihre Zeit gerne in der Innenstadt zu verbringen. Die kleinen Boutiquen, Schneiderein, Metzgereien, Elektro- und Spielzeugläden sind zwar gut und erfüllen ihren Zweck für Otto Normalbürger, aber wo sind die für die jüngeren Menschen attraktiveren Einkaufsmöglichkeiten? Wir bräuchten mehr moderne Cafés, moderne Bars, für die jüngere Generation passende und interessante Einkaufsmöglichkeiten wie einen H&M oder Zara. Sonst würden sie ja ihr Geld und ihre Zeit zur Freizeitgestaltung lieber in den größeren Städten ausgeben und verbringen wie zum Beispiel in Heilbronn oder Karlsruhe. Auch ein KFC und eine Dunkin-Donuts-Filiale in der Innenstadt würden unsere Innenstadt für die jüngere Generation noch attraktiver machen.
Nach diesen Gedanken werde ich merkwürdigerweise selbstkritisch. Bevor man ans Umsetzen denkt, sollte man sich lieber sehr sorgfältig überlegen, ob man das überhaupt will. Ist Öhringen nun nicht Heimat oder doch Heimat?
Ich laufe also noch mal durch die Stadt.
Klar, die jüngeren Generationen würden sich natürlich über einen H&M, Zara, Dunkin Donuts oder KFC in der Innenstadt freuen. Aber wollen wir wirklich eine moderne, schnelllebige, überfüllte und irgendwo bei Nacht auch eine fahle Innenstadt? Wollen wir denn wirklich etwas ändern an dieser Stadt? Diese Frage sollte sich jeder mal ruhig durch den Kopf gehen lassen. Etwas, das man seine Heimat nennen kann, etwas, wo die Seele langsam zur Ruhe kommt und man Schritt für Schritt in die Gelassenheit abtauchen kann. Diesen wertvollen Vorteil gibt uns nämlich diese heimelige kleine Stadt namens Öhringen. Nach dem hektischen Einkaufsbummel zwischen der Menschenmenge glaube ich, dass jeder von uns ein wenig inneren Frieden, Gelassenheit und Ruhe braucht und sucht.
Denn zwar ist unsere Stadt nicht die Stadt, in der man seine meiste Zeit verbringt und nicht alles bekommt, was man braucht. Da müsste man schon in die nächstgrößeren Städte fahren. Aber sobald man das hektische Leben der Großstädte hinter sich gebracht hat, freut und sehnt man sich doch nach einem ruhigen Zuhause. Bei den Gedanken über meine Heimatstadt geht es also nicht um mögliche Lösungen, wie ich sie verbessere, sondern eher darum, wonach wir alle uns mehr sehnen. Eine vermeintlich positive „Modernisierung“ bringt womöglich mehr Schlechtes, mit dem man gar nicht rechnet: einen schnelllebigen, hektischen Lebensstil, überfüllte Innenstädte und andere mögliche Auswirkungen.

Maik Holz, Klasse BVB, USS Öhringen

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