Macher unter Wasser

Es war einmal ein selbst für einen Kragenhai heißer und nasser Tag in den Gewässern um Tokio. Wieder einmal beschwerte er sich über den Klimaanlageninstallateur, weil die bescheuerte Klimaanlage nicht funktionierte.
„Das ist schon das vierte Mal in diesem Monat!“, blubberte er vor sich hin. Aber das war nicht das Einzige, was ihn störte, er musste noch seine Stromrechnung vom letzten und von diesem Monat bezahlen. Der Betrag lag etwa bei 286 Korallen. Das war für seine Umstände schwer als einfacher Meeresgrundfeger mit einem Lohn von 98 Korallen im Monat. Also überlegte er sich, Geschäfte mit den Hammerhaien zu machen, aber die waren nicht ohne! Und das wollte der Kragenhai, der selbst als eines der gefährlichsten Unterwassertiere gilt, nicht riskieren. Aber er war das komplette Gegenteil, er war ein sehr anständiger Hai und wollte noch an der Seepferdchen-Universität studieren, nur: dafür fehlte ihm ja wie gesagt das Geld.
Also schwamm er auf dem Meeresgrund hin und her und überlegte, wie er ein paar Korallen mehr verdienen könnte. Da wurde es plötzlich immer dunkler und blubberte immer wieder. Er schaute sich um. Da sah er – links hinten – einen 14 Meter hohen Berg aus Plastikmüll. Also überlegte er sich, einfach den ganzen Müll an die Pottwale zu verkaufen, die einen Schrottplatz betrieben. Er schnappte sich seinen Makrelen-Benz, belud den Kofferraum und machte sich prompt auf den Weg. Es dauerte keine fünf Minuten, bis er ankam.
Die Pottwale betrachteten den Müll und waren geradezu aus dem Häuschen.
„Wo hast du denn diese Schmuckstücke gefunden?“, blubberten sie.
„Bei mir um die Ecke“, antwortete der Kragenhai. Immerhin ging es den Walen nicht um den Fundort des Mülls, sondern um den Korallenpreis, den der Hai sich vorstellte. 300 schwebten ihm vor, doch die Pottwale waren so großzügig, 1673 Korallen dafür zu bezahlen. Der Kragenhai war baff. Sie verabschiedeten sich. Bevor er in seinen Makrelen-Benz stieg, riefen sie noch: „Wenn du mehr Müll findest, kennst du ja den Weg hierher!“
Mit einem Grinsen machte er sich in seinem Unterwasserdiesel auf und davon. Das war ein guter Tag, denn so hatte er dem Meer etwas Gutes getan und außerdem ein solides finanzielles Standbein. Es wurde schon spät. Er bezahlte die Rechnungen noch an diesem Tag und bewarb sich bei der Seepferdchen-Uni. Hoffen wir, dass er aufgenommen wurde.

Dragomir Jovanovic, Klasse BvB, USS GmbH Öhringen

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