Unter die Haut

Bericht Beeindruckende Aufführung von „Die Kriegerin“ im Heilbronner Theater BOXX

Im Rahmen einer Schulvorstellung besuchten 18 Schüler der USS GmbH in Heilbronn das Theaterstück „Die Kriegerin“ im Heilbronner Theater „BOXX“. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion über das Stück. Das Theaterstück zeigt einerseits, welche Beweggründe Jugendliche dazu verleiten, sich zu rechten Neonazigruppierungen hingezogen zu fühlen und sich dort zu engagieren. Und andererseits geht es um den Umgang mit Fremden, Flüchtlingen, die in unser Land kommen und Ängste auslösen.

Das Stück zeigt diese Aspekte anhand von vier Hauptpersonen, Marisa, der Anführerin einer Neonazigruppe, Sandro und Markus, ebenfalls Mitglieder der Neonazigruppe, und Saskia, einem Mädchen, das neu in die Gruppe kommt. Diese Gruppe tritt in Kontakt mit Razul, einem Flüchtling aus Syrien. Faszinierend an dem Stück ist die Darstellung von verbaler, physischer und sexueller Gewalt, die unter die Haut geht. Die Schauspieler sind unserer Meinung nach hervorragend besetzt und spielen ihre Rolle sehr authentisch. Es wird auch irgendwann klar, dass die Jugendlichen, die einer solchen Gruppe beitreten, nicht von Grund auf aggressiv und böse sind, sondern dass eigentlich „ganz normale“ Menschen aus scheinbar normalen Familien, auch Mädchen, sich hingezogen fühlen können zu einer solchen Gruppe. Eine unerwartete Wende zeigt außerdem, wie schnell eine solche Neonazi-Ideologie im direkten Kontakt Risse bekommen kann, wie schwer es aber gleichzeitig ist, sich Irrwege einzugestehen und den Mut zu haben, Fehlverhalten einzugestehen.

Die Zisch-Klasse des BvB der USS GmbH Heilbronn bei ihrem Ausflug ins Theater BOXX
Foto: privat

Im anschließenden Publikumsgespräch kam die Frage auf, ob die Schauspieler, durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Stück, Angst hatten, Meinungen der rechten Szene teilweise gutzuheißen. Sie verneinten. Die Arbeit mit dem Stück habe sie in ihren bisherigen Meinungen bestärkt, die auf keinen Fall rechtsradikal oder gegen Flüchtlinge sind.
Sascha Kirschberger berichtete uns, dass es für ihn nicht die einfachste Rolle gewesen sei und er relativ lange gebraucht habe, sich in die Rollen von Sandro und Markus einzufinden, da er die Darstellung der extremen Gewalt als sehr schwierig empfand.
Helene Aderhold jedoch gestand, dass sie sich recht schnell in die Rolle der Marisa einfühlen konnte. Sie meinte, dass es wahrscheinlich an Marisas Entwicklung während des Stückes, nämlich sich von der rechten Szene zu entfernen, lag.

Wir finden, dieses Stück ist sehr empfehlenswert, da sich die Schauspieler hervorragend und überdurchschnittlich gut auf ihre Rollen vorbereitet haben. Das Thema ist hochaktuell und durch die Form des Theaterstückes für Jugendliche erlebbar und deshalb viel besser als ein Film im Kino oder im Fernsehen.

Daphne Schietinger, Maria Volsmidt und Nathalie Schoch, BvB der USS GmbH Heilbronn