Aufschlussreiche Fragerunde

Wie steht’s um die Zukunft der Tageszeitung? Was hat das Medienunternehmen Heilbronner Stimme Kindern und Jugendlichen zu bieten? Solche Fragen wurden jetzt von höchster Stelle beantwortet: von Stimme-Verleger Tilmann Distelbarth und Chefredakteur Uwe Ralf Heer. Bei der Zisch-Talkshow an der Heilbronner Wilhelm-Hauff-Schule nahmen die Moderatorinnen Alexandra Nickel und Melody Achtenicht aus der 8a die beiden in die Zange. Das Projekt-Highlight fand am Mittwoch ausnahmsweise erst nach der offiziellen Abschlussfeier von Zeitung in der Schule statt. Thema war „Medienwandel – Zeitungen im Internet und mehr“.

Foto: Susanne Schwarzbürger, Dennis Mugler

Familienunternehmen

Professionell haben sich die beiden Werkrealschülerinnen vorbereitet. Sie sitzen kerzengerade, ihre Zettel mit Fragen in der Hand. Zum Aufwärmen erfragen sie einfache Auskünfte zur Person. Umgekehrt versucht Tilmann Distelbarth, den Achtklässlerinnen eventuelle Nervosität gleich mit Witz zu nehmen: „Sieht man doch deutlich, dass ich einige Monate jünger bin“, scherzt der 51-jährige Verleger über Uwe Ralf Heer (52). Während der Chefredakteur vor 27 Jahren als Praktikant bei der Stimme angefangen hat, hat Distelbarth das Unternehmen quasi geerbt. Sein Großvater Paul gründete es 1946, jahrzehntelang leitete es sein Vater Frank. Was aber, so Distelbarth, nicht zwangsläufig zu dieser Berufswahl führte. Doch was gehört zu diesem Beruf? „Der Verleger kümmert sich nicht inhaltlich darum, was in der Zeitung steht. Ich kümmere mich um die Organisation, dass Geld da ist, um die mehr als 500 Mitarbeiter zu bezahlen, und um die Weiterentwicklung, auch im digitalen Bereich“, sagt Distelbarth. „Für die Inhalte“, ergänzt Heer, „bin ich zuständig, aber Personalverantwortung habe ich auch. In der Redaktion sind mehr als 100 Leute beschäftigt.“

Foto: Susanne Schwarzbürger, Dennis Mugler

Warum auf Papier?

Herausfordernd mutet Alexandras nächste Frage an: „Warum gibt es die Zeitung überhaupt noch in Papierform?“ Schließlich hat die Stimme mit der Neuanschaffung von zwei je 15 Millionen Euro teuren Rotationen erst vor Kurzem noch mal kräftig auf Print gesetzt. Doch der Verleger lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Aus eurer Sicht finde ich diese Frage sinnig. Aber wir verkaufen immer noch eine Auflage von über 80 000 Exemplaren und versorgen so etwa eine viertel Million Leser mit der gedruckten Zeitung. Das heißt, der Bedarf ist da. Als E-Paper wird die Zeitung meist nur zusätzlich bestellt. Zum Beispiel für den Urlaub oder um sie auf dem Arbeitsweg auf dem Smartphone lesen zu können.“

Tiefere Inhalte

Auch Heer betont, dass „die gedruckte Tageszeitung bestehen bleiben wird, auch wenn wir dabei sind, alle Vertriebskanäle zu verbessern“. Das heißt, auch die Lesbarkeit auf mobilen Geräten. Die Beliebtheit von Print könnte an den „zwei Geschwindigkeiten“ liegen. Heer erläutert den Unterschied, nachdem sich Melody nach den Vorteilen der gedruckten Zeitung erkundigt hat: „Schnelle, exklusive Meldungen bringen wir online“, sagt er. „Hintergründe, große Themenseiten und mehr Lesestoff erscheinen im Print langsamer, die Inhalte gehen aber dafür tiefer.“ Irgendwann gegen Ende der Gesprächsrunde stellt Melody Heer und Distelbarth eine überraschende Frage: „Haben Sie Wünsche an uns im Medienverhalten?“ Die Antworten haben viel mit dem zuvor schon Gesagten zu tun: „Interesse an der Umgebung“, wünscht sich der Chefredakteur von den Jugendlichen. Der Verleger geht noch einen Schritt weiter: „Bleibt in Kontakt und meldet euch, wenn ihr ein Thema habt, über das berichtet werden sollte“, sagt er.

Wächterfunktion

Denn: Sich zu informieren sei in einer Demokratie immens wichtig. Nicht nur über die große weite Welt, sondern auch über den eigenen Mikrokosmos. Und was den angeht, ist die regionale Tageszeitung meist die einzige, in jedem Fall aber die verlässlichste, glaubhafteste Informationsquelle. Denn Journalisten verbreiten keine Fake News, sie checken Fakten, klopfen ihre Quellen ab und lassen alle Seiten zu Wort kommen. Es fällt das Stichwortvon der „Wächterfunktion“: Die Medien haben in einer Demokratie die Aufgabe, den Mächtigen auf die Finger zu schauen. Und was tut die Heilbronner Stimme, um schon junge Leser an die Zeitung heranzuführen? Ausführlich
erzählt Distelbarth von den Kinder- und Jugendprojekten des Medienunternehmens, angefangen von Zeitung im Kindergarten (Ziki) über Zeitung in der Grundschule (Zig) bis hin zu Zisch mit seinen Whatsapp-Wettbewerben. Von der Facebook-Präsenz der Stimme. Und er vergisst auch nicht die für die Altersklasse der Wilhelm-Hauff-Schüler interessante Jugendredaktion Stimmt!. Die, wie Jugendprojektredakteurin Milva-Katharina Klöppel einstreut, auch auf Instagram präsent ist.

Foto: Susanne Schwarzbürger, Dennis Mugler

Susanne Schwarzbürger, Zisch-Redaktion